Bauschäden
Ein häufig vorgetragenes Argument gegen das luftdichte
Bauen ist die Behauptung, dadurch würden Schimmelschäden
zunehmen. Tatsächlich nahmen in vielen sanierten
Wohnhäusern die Schimmelschäden zu, nachdem
undichte Fenster gegen dichte und Einzelöfen gegen
Zentralheizungen ausgetauscht worden waren. Vor der
Sanierung hatte der Kaminzug für eine ständige Luftabfuhr
über Ofen und Schornstein nach außen gesorgt und
die Außenluft konnte problemlos durch undichte Fensterfugen
nachströmen. Kalte Zugluft wurde hingenommen
oder durch den überdimensionierten und schlecht regelbaren
Ofen kompensiert.
Wurde nach der Sanierung nicht durch eine mechanische
Lüftungsanlage oder häufigeres Öffnen der Fenster für
eine wirksame Lüftung gesorgt, dann stieg die Raumluftfeuchte
auf Werte an, bei denen Kondensat und Schimmelbildung
auf der Raumseite von Außenbauteilen möglich
war – meist begünstigt durch gravierende Wärmebrücken.
Ursache war also der für den schlechten baulichen
Wärmeschutz zu geringe Luftaustausch.
Fugen in der Gebäudehülle wären keine Lösung – im Gegenteil,
sie hätten zusätzliche Bauschäden zur Folge.
Feuchte Raumluft, die im Winter durch eine Undichtigkeit
entweicht, kühlt im Bauteilinneren ab und Luftfeuchtigkeit
kondensiert. Kondensat und Schimmel können auf
diese Weise sowohl innerhalb des Bauteils als auch auf
der Außenseite entstehen. Besonders gefährdet
sind große Einzellecks im Dachbereich, wo wegen des
thermischen Auftriebs Undichtigkeiten besonders häufig
von innen nach außen durchströmt werden.
Die Konsequenz muss also sein, dicht zu bauen und auf
andere Weise für die Feuchtigkeitsabfuhr zu sorgen:
durch Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage.
Luftströme durch Leckagen vom warmen Innenraum
nach außen sind wesentlich häufiger der Grund für
feuchtebedingte Bauschäden durch Tauwasserausfall
in Bauteilen als die Wasserdampfdiffusion. Schon durch
relativ kleine Leckagen kann nämlich sehr viel mehr
Feuchtigkeit transportiert werden als durch Diffusion.
Dies wird an einem Beispiel deutlich: Durch eine wärmegedämmte,
ca. 120 m2 große Dachfläche über einem
ausgebauten Dachgeschoss werden nach einer Modellrechnung
an einem Wintertag durch Diffusion 120 g Wasserdampf
nach außen abgegeben. Entsteht in
der ansonsten luftdichten Dachfläche durch unzureichende
Abdichtung lediglich ein 1 mm breiter Spalt auf 1 m Länge,
dann werden durch diese Leckage im gleichen Zeitraum
durch die Luftströmung 360 g Wasserdampf transportiert,
also etwa dreimal so viel wie durch Diffusion über die gesamte
Dachfläche.
Zitat aus:
RWE Bau-Handbuch (13. Ausgabe)
VWEW Energieverlag GmbH