Hauptmerkmale energiesparenden Bauens
Einflussgrößen auf den Heizenergieverbrauch
Der Heizenergieverbrauch eines Gebäudes wird durch
eine Vielzahl von Einflüssen bei der gestalterischen
sowie bau- und anlagentechnischen Planung, bei der
Bauausführung und bei der Gebäudenutzung bestimmt.
Wesentliche Einflussgrößen sind:
– Kompaktheit der Gebäudegestalt,
– Wärmeschutz der Gebäudehülle,
– Vermeidung von Wärmebrücken,
– Luftdichtheit der Gebäudehülle,
– Art und Weise der Lüftung,
– passive Sonnenenergienutzung durch südorientierte
Fenster und speicherfähige Massen der Innenbauteile,
– Zonierung des Gebäudes durch Nordorientierung der
Räume mit zeitweise oder dauernd abgesenkter Innentemperatur,
– Energieeffizienz der Wärmeerzeugung,
– Verluste bei der Wärmespeicherung und -verteilung,
– Verhalten der Bewohner hinsichtlich Raumtemperaturen,
Luftwechsel, Warmwasserverbrauch, passiver Solarenergienutzung,
Größe der internen Wärmegewinne,
Betriebsweise der Anlagentechnik.
Gravierende Veränderung der Gebäude-
Wärmebilanz
Energiesparendes Bauen führt zu einer einschneidenden
Veränderung des Wärmehaushalts eines Gebäudes.
Welche Ergebnisse erzielbar sind, zeigt die
Gegenüberstellung der Jahres-Wärmebilanz eines durchschnittlichen
Einfamilienhauses im Gebäudebestand mit
der eines Niedrigenergie-Einfamilienhauses, dessen Heizwärmebedarf
auf nahezu nur ein Fünftel reduziert ist. An
den Wärmebilanzen werden folgende quantitative und
qualitative Veränderungen deutlich:
– Der Transmissionswärmeverlust konnte durch einen
sehr guten Wärmeschutz der wärmeübertragenden
Außenbauteile auf ein Drittel des Wertes des konventionellen
Hauses gesenkt werden. Der erhöhte Wärmeschutz
der Außenbauteile stellt die wirksamste
Maßnahme zur Senkung des Jahres-Heizwärmebedarfs
dar.
– Der Lüftungswärmeverlust wurde durch die Senkung
des Luftaustauschs auf das hygienisch erforderliche
Maß um ein Drittel verringert. Trotzdem ist sein
prozentualer Anteil an den Gesamtverlusten deutlich
gestiegen. Dadurch leistet Wärmerückgewinn aus der
Abluft beim Niedrigenergiehaus einen quantitativ interessanten
Beitrag zur Wärmeverlustdeckung.– Die nutzbaren Wärmegewinne aus Sonnenstrahlung
und aus der Wärmeabgabe von Personen/Geräten
sind beim Niedrigenergiehaus geringer, weil in den
Übergangsmonaten nur noch ein kleinerer Anteil dieser
Gratiswärme zur Raumbeheizung genutzt werden
kann. Ihre relative Bedeutung in der Wärmebilanz des
Niedrigenergiehauses nimmt jedoch beträchtlich zu.
– Die Heizungsanlage braucht im Niedrigenergiehaus
mit Lüftungswärmerückgewinnung nur noch weniger
als die Hälfte der gesamten Wärmeverluste auszugleichen.
Sie erlangt den Charakter einer „Ergänzungsheizung“,
die auf Änderungen der Raumtemperatur
besonders schnell reagieren soll.
Fazit des Wärmebilanzvergleichs: Die wirkungsvollste
Strategie energiesparenden Bauens ist die Optimierung
des baulichen Wärmeschutzes zur Senkung
der Transmissionswärmeverluste.
Zitat aus:
RWE Bau-Handbuch (13. Ausgabe)
VWEW Energieverlag GmbH